Fructose-Malabsorption

Fructose-Malabsorption – eine oftmals unerkannte Stoffwechselstörung, die vor allem bei scheinbar gesunder Ernährung zu massiven Darmproblemen führen kann.

Ein gesundes Müsli mit Früchten, dazu ein Glas frischgepresster Orangensaft und über den Tag verteilt ausreichend Obst und Gemüse, um den Vitamin-Bedarf abzudecken. Früh lernen wir durch Sprüche wie „an apple a day, keeps the doctor away“ oder „5 mal am Tag Obst und Gemüse“ wie wichtig es ist, ausreichend Obst und Gemüse in unseren Speiseplan einzubauen.

Aber gerade diese vorbildliche Ernährung ist häufig Ursache für ein jahrelanges unerkanntes Magen- und Darmproblem, das sogar zu Depressionen führen kann. Auslöser dieser Probleme ist der Fruchtzucker, der nur ungenügend resorbiert werden kann.

In Nordeuropa sind ungefähr 30% der Bevölkerung von einer Fructose-Malabsorption betroffen, die in den meisten Fällen von Ärzten leider unerkannt bleibt oder als psychosomatisches Problem abgetan wird.

Tatsächlich stellt die Fructose Malabsorption allerdings eine Störung des Transportproteins GLUT-5 dar, welches den Fruchtzucker in die Dünndarmzellen transportiert. Geschieht dies nicht oder unzureichend, gelangt vermehrt Fructose in den Dickdarm, wo diese von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren, Kohlendioxid und Wasserstoff "verstoffwechselt" wird.

Dieser Abbau führt bei etwa 50% der betroffenen Patienten zu Darmkrämpfen, Blähungen oder Durchfällen. Ein Großteil, der an Fructose-Malabsorption erkrankten Patienten leidet auch an weiteren Intoleranzen, wie etwa einer Laktose-Malabsorption oder Sorbit- oder Histamin-Intoleranz.

Besteht der Verdacht, unter einer Fructose-Malabsorption zu leiden, sollte man dies mittels Wasserstoffatemtest überprüfen lassen. Dabei wird, nachdem der Betroffene eine Wasserlösung mit 25g Fruchtzucker zu sich genommen hat, der Wasserstoffanteil in der ausgeatmeten Luft analysiert. Steigt der Wert auf mehr als 20 ppm über dem Nüchternwert, spricht man von einer Fructose-Malabsorption.

Zu den Magen- und Darmbeschwerden können bei einigen Betroffenen auch noch Depressionen und Mangelerscheinungen hinzukommen. Wie Untersuchungen von Univ.-Doz. Dr. Maximilian Ledochowski zeigen, kann bei einer Fructose-Intoleranz Ursache für Depressionen eine Resorptionsstörung der Aminosäure Tryptophan vorliegen. Da ein Mangel an Tryptophan zu einer verminderten bzw. mangelhaften Serotoninproduktion führt, entstehen die für Depressionen typischen Symptome wie etwa Stimmungseintrübung oder Antriebslosigkeit.

Eine weitere Begleiterscheinung einer Fructose-Malabsorption können ein Zink- und Folsäuremangel sein. Ein Mangel an Folsäure kann wiederum zu Depressionen, Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche führen und ein Zinkmangel kann sich ungünstig auf den Stoffwechsel und die Immunabwehr auswirken.

Wichtig ist es, die Fructose-Malabsorption von der hereditären Fructose-Intoleranz abzugrenzen. Die ist eine sehr seltene, genetisch bedingte Störung des Fructosestoffwechsels, die angeboren ist und zu schweren Leber- und Nierenschädigungen führen kann.

Ist die Erkenntnis, unter einer Fructose-Malabsorption zu leiden anfangs auch etwas erschütternd – vor allem für Obst- und Gemüseliebhaber – so findet man, dank guter Literatur, bald zu Wegen, wie man sein Leben auch mit dieser Stoffwechselstörung genießen kann. Nach einer anfangs strengen Diät kann man den GLUT-5-Transporter langsam wieder an Fructose gewöhnen und somit, für Jeden individuell, erkunden, welche „verbotenen“ Lebensmittel man vielleicht doch verträgt.

Literatur:
• Fruchtzuckerarm kochen und sich wohlfühlen; Univ.-Doz. Dr. Maximilian Ledochowski u. a.; Krenn Verlag; ISBN: 3-902351-26-8
• Fructose-Intoleranz. Wenn Fruchtzucker krank macht; Thilo Schleip; Trias Verlag;
ISBN: 3-8304-3282-8
• www.fructose.at.gs
• www.fructoseintoleranz.de
 

Autorin: Sandra Schneider Jänner 2007