Purine, Harnsäure und die Gicht

Die "Wohlstandskrankheit" Gicht ist eine schmerzhafte Erkrankung einzelner Gelenke. Verursacht wird sie durch erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut. Steigt der Harnsäurespiegel über 6,4 mg/dl spricht man von Hyperurikämie (griech.: "zu viel Harnsäure im Blut"). Diese wiederum entsteht in erster Linie durch den übermäßigen Verzehr purinreicher Lebensmittel.

Purinarme Diät

Unverzichtbar bei jeder Gichtbehandlung ist daher eine spezielle purinarme Diät. Dabei ist zu beachten, dass diese nicht nur in Phasen von Gichtanfällen angewendet, sondern generell und vorbeugend ständig eingehalten wird. Allfälliges Übergewicht sollte reduziert werden, da dieses generell einen erhöhten Harnsäurespiegel begünstigt.

Dazu meint Prof. Günther Wolfram von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): "Neben der genetischen Veranlagung, dem Alter und dem Geschlecht begünstigen vor allem Übergewicht sowie der übermäßige Genuss von Fleisch und Alkohol erhöhte Harnsäurespiegel. Wer sein Sollgewicht erreicht und hält, mit purinreichen Lebensmitteln vernünftig umgeht und den Alkoholkonsum einschränkt, kann einem Gichtanfall wirkungsvoll vorbeugen."

Fleisch und Wurst sind bei Gichtanfälligkeit also auf kleine Mengen zu reduzieren. Der tägliche Eiweißbedarf lässt sich ausreichend mit Milch und mageren Milchprodukten decken, die keinen Puringehalt haben. Obst, Gemüse und Salate sind diesbezüglich wertvolle und unbedenkliche Nahrungsmittel. Doch auch in pflanzlichen Lebensmitteln können Purin-Anteile enthalten sein, so besonders in Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen oder Linsen.

Alkohol ist in zweifacher Weise für eine hohe Harnsäurekonzentration verantwortlich: Einerseits erhöht er die Harnsäureproduktion, andererseits reduziert er die Harnsäure-Ausscheidung über die Nieren. Er sollte daher nur in kleinen Mengen konsumiert werden. Durch ausreichendes (antialkoholisches!) Trinken - am besten täglich zwei Liter in Form von Mineralwasser oder Tee ­ wird hingegen in den Nieren verstärkt Harn gebildet und so die Harnsäurekonzentration im Urin gesenkt.

Vorkommen der Gicht

Bis ins vorletzte Jahrhundert wurde Gicht als "Krankheit der Könige" bezeichnet, da nur wohlhabende Personen in der Lage waren, sich jene Lebensmittel zu leisten die Gicht auslösten. Mittlerweile hat sich die Krankheit in den "Wohlstandsländern" ausgebreitet. Immerhin sind zwischen ein und zwei Prozent der hier lebenden Menschen davon betroffen ­- Männer zehn Mal so häufig wie Frauen. Doch nicht nur das Geschlecht spielt beim Erkrankungsrisiko eine Rolle, auch genetisch wird eine Anfälligkeit weitergegeben.

Primäre und sekundäre Gicht

Prof.Dr. Johann Bröll, Leiter der 2. Medizinischen Abteilung für Rheumatologie und Osteologie des Kaiser-Franz-Josefs-Spitals in Wien, unterscheidet zwei Formen von Gicht. So ist die Mehrzahl der Patienten von der so genannten primären Gicht betroffen. Dabei liegen Enzymdefekte vor, die zu einer Störung des Harnsäureabbaus im Blut führen. Zur sekundären Gicht kann es hingegen durch Nierenfunktionsstörungen oder durch Medikamente, die in der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden, kommen. Dabei wird die Harnsäure im Blut zurückgehalten.

Auch wenn gewisse äußere Faktoren eine erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut begünstigen ­ mit der rechtzeitigen und richtigen Ernährungsweise ist im Kampf gegen Gicht bereits viel gewonnen.

 

Quelle: forum. ernährung heute